Die Sächsische Spirituosenmanufaktur hat ihr Jubiläum gefeiert. Wir blicken auf über 10 Jahre zurück. Anlass genug Martin ein paar neue Fragen zu stellen.
Martin, 10 Jahre ist eine lange Zeit. Was fällt dir als erstes dazu ein?
Die letzten zehn Jahre sind wie im Flug vergangen. In dieser Zeit hat sich extrem viel getan – sowohl in der Brennerei als auch privat. Wir haben kräftig investiert, neue Brenntechnik angeschafft, gebaut und saniert. Dadurch konnten wir viele neue Kunden gewinnen und tolle, neue Produkte entwickeln, die jetzt erfolgreich im Verkauf sind.
Eines deiner Ziele war es, die Vielfalt an Früchten, Kräutern und Blüten unserer Region zu zeigen. Vor allem um die heimischen Ressourcen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ist dir die Zielumsetzung gelungen?
Auf jeden Fall. Ich konnte viele tolle Produkte kreieren und setze nach wie vor konsequent auf heimische Rohstoffe. Wir brennen Edelbrände aus alten Obstsorten und stellen Liköre nach traditionellen Rezepturen her – oft mit Zutaten, die heute fast in Vergessenheit geraten sind. Besonders stolz bin ich auf die vielen lokalen Kooperationen mit Landwirten, Obstbauern und anderen Erzeugern, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben und auch weiter vertiefen werden.
Zu Beginn einer Gründung ist die Vision klar und der Tatendrang groß. Hat sich an deinem Konzept von damals mittlerweile etwas geändert oder wirst du etwas ändern?
Natürlich muss man sich den Veränderungen des Marktes anpassen, weshalb wir unser Konzept kontinuierlich verfeinern und verbessern. Unsere rote Linie steht dabei seit dem ersten Tag fest – wir justieren lediglich nach. Aus diesem Prozess sind neue Geschäftsfelder wie die Lohnfertigung entstanden, die mittlerweile eine tragende Rolle spielen. Auch das Auslandsgeschäft hat sich hervorragend entwickelt, obwohl das anfangs so gar nicht geplant war.
Was würdest du heute anders machen?
Aus heutiger Sicht würde ich mich wohl nicht noch einmal auf dieselbe Weise selbstständig machen. Die Arbeit in der Brennerei macht mir zwar riesigen Spaß, aber der bürokratische Aufwand ist seit der Gründung von Jahr zu Jahr gewachsen und mittlerweile eine echte Belastung. Man muss unzählige rechtliche Aspekte im Blick behalten – von der Verbrauchsteuer über Kennzeichnungspflichten bis hin zu Verordnungen und Gesetzen, die sich ständig ändern. Rückblickend hätte ich wohl eine andere Rechtsform gewählt und wäre definitiv nicht mehr mit einer so breiten Produktpalette gestartet.
Beim ersten Hoffest wurde dein Sortiment bewundert und immer wieder die Frage gestellt, das schafft du doch nicht allein auf nur einer Brennanlage. Wie bekommst du das alles hin, was ist dein Erfolgskonzept?
Unser Konzept basierte von Anfang an auf der Verarbeitung regionaler Rohstoffe. Das bringt natürlich Naturabhängigkeiten mit sich: Mal gibt es eine reiche Obsternte, mal fällt eine Sorte komplett aus, was sich direkt auf unser Sortiment auswirkt. Ich wollte mich aber bewusst nie auf nur wenige Sorten beschränken, sondern arbeite mit dem, was die Region uns je nach Verfügbarkeit schenkt. Ein Obsteinkauf im Ausland kommt für mich – abgesehen von ganz speziellen Projekten wie dem kirgisischen Wildapfel – nicht infrage. Deshalb produzieren wir viele Spezialitäten in sehr kleinen, teils kleinsten Chargen. Das ist komplex und aufwendig, funktioniert bei guter Planung aber recht ordentlich. Zudem setzen wir auf starke Partnerschaften: Diese Synergien entlasten mich im Alltag und schaffen mir den nötigen Freiraum für neue Ideen
Ich möchte an die Frage anknüpfen. Wer waren deine größten Unterstützer in den letzten 10 Jahren?
An allererster Stelle stehen meine Frau und meine Familie. Beim Aufbau eines Handwerksbetriebs kommt das Privatleben oft zu kurz, und das Konzept einer 40-Stunden-Woche existiert in der Selbstständigkeit nicht. Gerade in einer stark saisonalen Zeit können es in den Hochphasen auch mal 80 Stunden in der Woche werden. Das alles geht nur, weil meine Familie voll hinter mir steht und mich bedingungslos unterstützt.
Darüber hinaus waren in den letzten zehn Jahren unsere regionalen Partner eine riesige Unterstützung. Aus geschäftlichen Beziehungen sind hier echte, verlässliche Freundschaften entstanden – alles Menschen und Firmen, auf deren Wort man sich verlassen kann. Einzelne Namen hervorzuheben, würde der Leistung der anderen nicht gerecht werden. Für mich sind alle Partner und Unterstützer gleichermaßen wichtig, und ich bin sehr dankbar für diesen starken Zusammenhalt.
Welche Produkte hattest du am liebsten?
Kirschbrände sind mein persönlicher Favorit, die trinke ich am liebstem. Aber auch die anderen Wildobstbrände mag ich sehr.
Was war dein persönliches Wunderprodukt?
Das sind ganz klar unser Gurkengeist und der Gurkengin. Wenn mir das vorher jemand erzählt hätte, ich hätte es wohl selbst nicht geglaubt! Es ist faszinierend, was für ein unglaublich intensives Aroma aus der Gurke bei der Destillation transportiert wird. Am Ende schmeckt das fertige Destillat sogar noch viel intensiver, frischer und facettenreicher als die eigentliche Rohware. Das ist für mich ein echtes, kleines und natürliches Geschmackswunder.
Mit Blick auf die Statistik geht der Konsum von Alkohol zurück. Trifft das auch auf deine Spirituosen zu?
Dieser Trend betrifft meiner Meinung nach vor allem die Massenware der Industriehersteller. Der reine Pro-Kopf-Verbrauch geht zwar zurück, aber das Bewusstsein der Menschen verändert sich: Es wird heute viel bewusster, regionaler und hochwertiger konsumiert. Die Kunden achten mehr auf Qualität, Handwerk und natürliche Zutaten. Genau in dieser Nische sind wir zu Hause. Statt auf Masse setzen wir auf Klasse, und genau deshalb konnten wir unseren Absatz in den letzten Jahren auch kontinuierlich ausbauen.
Vor 8 Jahren hast du mit der Whiskyproduktion begonnen. Was waren deine Highlights?
Meine Highlights sind immer die regionalen Kooperationen für besondere Whiskys. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sächsische Weinfässer für die Reifung bekomme. Fässer von kleinen, sächsischen Winzern gibt es nicht viele – das sind echte Raritäten.
Ganz besonders stolz bin ich auf eine Edition, die komplett sächsisch ist: Das Holzfass aus sächsischer Eiche stammt aus dem Tharandter Forst und wurde vom Böttcher Rainer Götze in Dresden gefertigt. Danach war es bei einem befreundeten sächsischen Winzer viele Jahre mit Wein belegt. Jetzt reift darin unser Whisky. Das wird eine ganz besondere Edition.
Du hast 2025 deinen ersten Rum präsentiert. Wieso jetzt erst?
Der Rum musste genau wie der Whisky erst einmal lange reifen und ist deshalb erst im letzten Jahr fertig geworden. Eher wollte ich ihn einfach nicht abfüllen, da mir die Qualität wichtig ist. Das Warten hat sich gelohnt: Er ist über die Zeit sehr gut gereift und wirklich hervorragend geworden.
Ähnlich verhält es sich mit Gin. Gin war lange ein Trendprodukt und die Nachfrage da. Wieso wolltest du dem Trend zu Beginn nicht folgen?
Schon vor Jahren hieß es immer wieder, dass der Gin-Trend bald vorbei sei und die Nachfrage sinken würde. Aus diesem Grund wollte ich anfangs keine Gins herstellen. Es hat sich jedoch das Gegenteil bewahrheitet: Der Markt wächst weiter, und es entstehen ständig neue, innovative Produkte. Weil mich schließlich viele Kunden und auch Geschäftspartner gezielt danach gefragt haben, habe ich mich damals dazu entschlossen, doch in die Gin-Produktion einzusteigen.
Die Spirituose steht im Regal. Was ist das Schwierigste bei der Herstellung, was niemand sehen kann?
Es bedarf immer sehr viel Vorarbeit, bis eine Spirituose fertig zum Verkauf in der Flasche im Regal steht. Viele Arbeitsschritte sieht der Konsument dabei gar nicht. Bei den Obstbränden fängt es schon bei der Ernte an, die wir teilweise selbst erledigen. Danach folgen die aufwendige Reinigung und das Einmaischen samt der Vergärung. Das ist eigentlich die Hauptarbeit an allem. Denn ohne eine perfekte, ordentliche Maische kann es am Ende eben auch keine Spitzenbrände geben.
Wenn jemand bei dir ein Geschenk sucht und er oder sie gar keine Ahnung vom Geschmack des anderen hat, welchen Gin, Whisky, Brand, Geist und Likör empfiehlst du.
Ich habe mich von Anfang an dazu entschieden, meine Produkte in unterschiedlichen Größen abzufüllen. Deshalb habe ich von vielen Produkten auch kleine 100-ml-Probierflaschen. Wenn sich ein Kunde bei Geschenken nicht entscheiden kann, empfehle ich immer, lieber mehrere kleine Sachen zu nehmen. So kann der Beschenkte verschiedene Produkte probieren und am Ende seinen ganz persönlichen Favoriten finden.
